Die von Lebensunternehmern selbst organisierte Gesellschaft
Gerechte Machtverteilung in Zeiten von Internet und KI

Bildquelle: ChatGPT Images 2.0 (DALL-E3)
Was, wenn wir Macht nicht mehr von oben verteilen müssen, sondern lernen, sie selbst zu organisieren?
Wer besitzt die Fabrik?
Wer besitzt die Maschinen?
Wer entscheidet, wer dort arbeiten darf?
Und wer bestimmt, wie viel die Beschäftigten dafür bekommen?
Über lange Zeit waren solche Fragen entscheidend dafür, wie wirtschaftliche und gesellschaftliche Macht verteilt war.
Wer die Produktionsmittel besaß, hatte einen erheblichen Teil der wirtschaftlichen Macht.
Genau an diesem Problem setzte auch Karl Marx an.
Seine Antwort war radikal: Das Privateigentum an den entscheidenden Produktionsmitteln abschaffen. Langfristig sollte daraus eine klassenlose Gesellschaft entstehen.
Doch hier beginnt für mich ein grundlegendes Problem:
Wer sorgt dafür, dass niemand mehr zu viel Macht besitzt?
Dafür braucht es zunächst wieder Institutionen, die selbst mit erheblicher Macht ausgestattet sind.
Damit entsteht ein Paradox:
Wir wollen Machtkonzentration verhindern – und schaffen dafür zunächst eine Neue.
Vielleicht sollten wir deshalb heute eine andere Frage stellen:
Muss Macht von einer zentralen Instanz gerecht verteilt werden oder können Menschen lernen, Macht, Ressourcen und Verantwortung zunehmend selbst zu organisieren?
Genau hier beginnt für mich die Idee einer von Lebensunternehmern selbst organisierten Gesellschaft.
Nicht Gleichheit durch zentrale Macht – sondern Machtverteilung durch Selbstorganisation
Ich ziehe die von Lebensunternehmern selbst organisierte Gesellschaft der Vorstellung einer von oben hergestellten klassenlosen Gesellschaft vor.
Warum?
Weil die Verantwortung dort nicht allein bei einer Regierung liegt.
Sie verteilt sich auf die Gemeinschaft.
Jeder Einzelne übernimmt eine aktive Rolle und trägt durch Eigeninitiative und Zusammenarbeit zur Gestaltung des Gemeinwohls bei.
Wie jemand zum großen Ganzen beitragen möchte, kann er weitgehend selbst bestimmen.
Jeder macht das, was er wirklich will und kann.
Der eine entwickelt technische Lösungen.
Ein anderer kümmert sich um Menschen.
Eine Dritte gründet ein Sozialunternehmen.
Andere forschen, bauen, reparieren, lehren, organisieren, programmieren oder engagieren sich in einem Gemeinschaftsprojekt.
Entscheidend ist nicht, dass alle dasselbe tun.
Entscheidend ist, dass möglichst viele Menschen ihre Fähigkeiten entwickeln und Verantwortung übernehmen können.
Ein zentraler Bestandteil einer solchen Gesellschaft ist deshalb Mitbestimmung.
Menschen sollen nicht nur alle paar Jahre darüber abstimmen, wer anschließend für sie entscheidet.
Und damit auch: Wem sie erlauben weiter die Staatsschulden auf zu türmen, Steuern zu erhöhen oder Kürzungen durchzusetzen.
Sie sollen dort mit entscheiden können, wo Entscheidungen ihr Leben tatsächlich betreffen.
Netzwerke statt immer größerer Hierarchien
Unsere Industriegesellschaft wurde stark durch Hierarchien geprägt.
Oben wurde entschieden.
Die Befehle wurden von der Mitte nach unten durch gereicht, Kritik von unten nach oben weitestgehend blockiert.
Unten wurde ausgeführt.
Das war teilweise nachvollziehbar.
Eine große Fabrik mit Tausenden Beschäftigten, komplizierten Maschinen und zentralen Produktionsabläufen musste koordiniert werden.
Doch das Internet hat die Voraussetzungen grundlegend verändert.
Menschen können heute innerhalb weniger Sekunden Informationen austauschen.
Sie können weltweit zusammenarbeiten.
Sie können Projekte organisieren, ohne im selben Gebäude zu sitzen.
Sie können Wissen gemeinsam entwickeln.
Und KI könnte diese Möglichkeiten noch einmal enorm erweitern.
Warum sollten wir deshalb gesellschaftliche und wirtschaftliche Organisation weiterhin fast ausschließlich nach den Organisationsprinzipien des Industriezeitalters gestalten?
Anstatt immer größere Hierarchien aufzubauen, könnten wir zunehmend auf Netzwerke setzen.
Kleine Einheiten.
Dezentrale Entscheidungen.
Gemeinsame Standards.
Offenes Wissen.
Direkte Zusammenarbeit.
Und eine übergeordnete Koordination nur dort, wo sie wirklich notwendig ist.
Das könnte nicht nur mehr Handlungsfreiheit ermöglichen.
Es könnte auch Macht breiter verteilen.
Warum Produktionsmittel immer auch Machtmittel waren
Die Forderung von Marx nach einer Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln lässt sich auch als Versuch verstehen, wirtschaftliche Macht zu begrenzen.
Denn wer eine Fabrik besitzt, besitzt nicht einfach nur ein Gebäude und einige Maschinen.
Er entscheidet beispielsweise:
Was wird produziert?
Wer bekommt einen Arbeitsplatz?
Welche Investitionen werden getätigt?
Wie werden Gewinne verteilt?
Welche Löhne werden angeboten?
Eigentum an Produktionsmitteln bedeutet deshalb häufig auch Entscheidungsmacht.
Während der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft verkaufen muss, um seinen Lebensunterhalt zu sichern, kann der Arbeitgeber entscheiden, zu welchen Bedingungen er jemanden anstellt, wie die Gewinne verteilt werden und wie die Arbeitsbedingungen aussehen.
Die historische Antwort darauf bestand unter anderem in staatlicher Regulierung (soziale Marktwirtschaft), Arbeitnehmerrechten, Mitbestimmungsmöglichkeiten, Sozialstaat und unterschiedlichen Formen gemeinschaftlichen Eigentums.
Die Methoden zur Machtbegrenzung der Unternehmen noch etwas genauer:
Soziale Marktwirtschaft: Privateigentum bleibt erlaubt, aber der Staat setzt strikte Leitplanken (Kündigungsschutz, Mindestlöhne, Kartellrecht, Arbeitsschutz).
Mitbestimmung: Gesetze zwingen Unternehmen ab einer gewissen Größe dazu, Arbeitnehmervertreter in Aufsichtsräte einzubinden, um die Entscheidungsmacht der Arbeitgeber zu begrenzen.
Dezentrale / Genossenschaftliche Modelle: Modelle, bei denen die Produktionsmittel den arbeitenden Menschen selbst gehören (Mitarbeitergesellschaften, Genossenschaften), versuchen das Machtproblem zu lösen, ohne dem Staat die Kontrolle zu überlassen.
Die genannten Methoden bewegen sich zwischen einer unregulierten Marktwirtschaft und der staatlichen Totalübernahme, die beide nicht langfristig funktionieren würden. Die eine, wegen der Ausbeutung durch Megakonzerne, die andere wegen der Machtkonzentration im Staat. Deshalb haben sich in modernen Gesellschaften diese Mischformen entwickelt.
Später entstanden oder verbreiteten sich weitere Modelle:
Genossenschaften.
Mitarbeiterbeteiligungen.
Betriebsräte.
Tarifpartnerschaften.
Sozialunternehmen.
Dezentrale Unternehmensnetzwerke.
Wir haben also längst begonnen, die einfache Aufteilung
Arbeitgeber auf der einen Seite – abhängige Lohnarbeiter auf der anderen
aufzuweichen.
Doch jetzt ändert sich etwas ganz gewaltig.
Was passiert, wenn die wichtigste Maschine plötzlich in deinem Kopf steckt?
In der gerade entstehenden Informations- und Wissensgesellschaft verändern sich die Produktionsmittel.
Natürlich brauchen wir weiterhin Fabriken, Maschinen, Rohstoffe, Energie und Infrastruktur.
Aber bei immer mehr wirtschaftlichen Tätigkeiten entstehen Werte vor allem durch:
Selbstwirksamkeit,
Kreativität,
Begeisterungsfähigkeit,
Willenskraft,
Wissen,
Fähigkeiten,
Ideen,
Erfahrung,
Engagement.
Stell dir eine Softwareentwicklerin vor.
Einen Coach.
Einen Designer.
Eine Autorin.
Einen Wissenschaftler.
Eine Beraterin.
Einen Entwickler eines KI-Tools.
Einen Menschen, der eine gesellschaftliche Idee entwickelt und andere dafür begeistert.
Was ist jeweils das entscheidende Produktionsmittel?
Oft nicht die Fabrikhalle.
Es ist zunächst der Mensch selbst.
Sein Wissen.
Seine Kreativität.
Seine Fähigkeit, Probleme zu erkennen und Lösungen zu entwickeln.
Und das führt zu einer faszinierenden Frage:
Wenn die wichtigsten Produktionsmittel zunehmend in uns selbst liegen – wer muss dann eigentlich noch wen enteignen, damit Macht gerechter verteilt wird?
Wenn jemand meine Fabrik besitzt, kann er mir den Zugang zu ihr verwehren.
Aber meine Kreativität kann er nicht besitzen.
Meine Fähigkeiten kann er mir nicht einfach wegnehmen.
Mein Engagement gehört zunächst mir.
Eigentlich müsste das eine gewaltige Demokratisierung wirtschaftlicher Macht bedeuten.
Eigentlich.
Denn genau an dieser Stelle entsteht ein neues Problem.
Die Fabrikhalle von heute könnte die digitale Plattform sein
Du kannst unglaublich kreativ sein.
Du kannst ein hervorragendes Produkt entwickeln.
Du kannst Wissen besitzen, das für Tausende Menschen wertvoll wäre.
Aber wie erreichst du diese Menschen?
Über eine Suchmaschine?
Eine Social-Media-Plattform?
Einen App-Store?
Einen Online-Marktplatz?
Eine Cloud-Plattform?
Ein KI-System?
Plötzlich wird sichtbar:
Die alten Produktionsmittel verlieren teilweise an Bedeutung – dafür entstehen neue Machtmittel.
Die Fabrikhalle von heute ist in manchen Branchen nicht mehr das Gebäude am Stadtrand.
Sie kann die digitale Infrastruktur sein, über die du Zugang zu Kunden, Informationen, Rechenleistung oder Öffentlichkeit erhältst.
Ändert eine große Plattform ihren Algorithmus, kann deine Reichweite plötzlich einbrechen.
Ändert ein App-Store seine Regeln, kann dein Geschäftsmodell betroffen sein.
Wird dein Konto gesperrt, kann der Zugang zu einem wichtigen Teil deines Marktes verschwinden.
Damit verschiebt sich die Machtfrage von analog, nach digital.
Sie verschwindet nicht.
KI könnte die Machtfrage noch einmal vollkommen neu stellen
Generative KI verstärkt diese Entwicklung.
Viele Fähigkeiten, die früher jahrelange Ausbildung benötigten, können heute zumindest teilweise durch KI unterstützt werden.
Texte schreiben.
Programmieren.
Bilder erstellen.
Daten analysieren.
Recherchieren.
Übersetzen.
Das ist zunächst eine enorme Chance für den Einzelnen.
Ein Mensch kann mit KI Fähigkeiten nutzen, für die früher vielleicht ein ganzes Team notwendig gewesen wäre.
Ein Solounternehmer kann plötzlich Dinge entwickeln, die vor wenigen Jahren nur größeren Unternehmen möglich waren.
Das könnte Macht dezentralisieren.
Doch gleichzeitig entsteht die gegenteilige Entwicklung.
Denn leistungsfähige KI benötigt enorme Rechenleistung, Daten, Energie, Chips und Rechenzentren.
Und wenn diese Infrastruktur nur wenigen Unternehmen gehört, konzentriert sich Macht erneut.
Das ist das KI-Paradoxon:
KI kann den einzelnen Menschen mächtiger machen – und gleichzeitig die Eigentümer der KI-Infrastruktur noch mächtiger.
Deshalb reicht es nicht, nur zu fragen:
Wer besitzt die Fabriken?
Wir müssen künftig auch fragen:
Wer besitzt die Daten?
Wer besitzt die Rechenzentren?
Wer kontrolliert die Plattformen?
Wer bestimmt die Algorithmen?
Wer besitzt die KI-Infrastruktur?
Denn, wer die KI-Infrastruktur besitzt, hat erneut die Hebelwirkung gegenüber dem einzelnen Kreativen!
Und vielleicht noch wichtiger:
Wer darf sie zu welchen Bedingungen nutzen?
Solange diese Fragen nicht geklärt sind, bin ich skeptisch.
Wir sollen als Gesellschaft zunehmend darauf vertrauen, dass globale Digitalkonzerne eine KI-Infrastruktur bereitstellen, die für Wirtschaft und Gesellschaft immer wichtiger wird und vielleicht irgendwann ähnlich unverzichtbar ist wie Energie-, Verkehrs- oder Kommunikationsnetze.
Doch diese Unternehmen sind keine Gemeinwohl orientierten Einrichtungen. Sie investieren enorme Summen in KI, Rechenzentren und Plattformen und müssen damit Geld verdienen. Das ist zunächst vollkommen legitim.
Nur sind ihre Interessen deshalb nicht automatisch dieselben wie unsere.
Wir Bürger wünschen uns eine KI-Infrastruktur, die zuverlässig, offen, bezahlbar und an unseren tatsächlichen Bedürfnissen orientiert ist. Ein Gewinn orientiertes Unternehmen muss gleichzeitig darauf achten, dass sich seine Investitionen rechnen und Gewinne entstehen.
Je abhängiger wir von dieser Infrastruktur werden, desto größer wird deshalb auch die Macht ihrer Eigentümer. Preise können sich ändern, Zugänge eingeschränkt, Bedingungen angepasst oder technische Standards vorgegeben werden.
Das eigentliche Problem ist also nicht, dass Unternehmen Gewinne erzielen wollen.
Das Problem entsteht, wenn wir gesellschaftlich wichtige Infrastruktur vollständig von wenigen Gewinn orientierten Unternehmen abhängig machen und darauf vertrauen, dass deren wirtschaftliche Interessen dauerhaft mit unseren gesellschaftlichen Interessen übereinstimmen.
Wenn KI zu einer grundlegenden Infrastruktur unserer Wissensgesellschaft wird, müssen wir deshalb auch darüber nachdenken, wie wir Zugang, Wettbewerb, offene Standards, Alternativen und gesellschaftliche Mitbestimmung sichern.
Denn eine selbst organisierte Gesellschaft braucht nicht nur selbst wirksame Menschen.
Sie braucht auch eine Infrastruktur, die ihnen diese Selbstwirksamkeit ermöglicht, ohne sie gleichzeitig von wenigen mächtigen Akteuren abhängig zu machen.
Wir dürfen nicht den Einzelnen in seinem Tatendrang begrenzen, wenn eigentlich Machtkonzentration das Problem ist
Hier sehe ich eine große Gefahr.
Wenn Staaten weiterhin hauptsächlich mit den Instrumenten des Industriezeitalters arbeiten, können sie am falschen Hebel regulieren.
Natürlich brauchen wir Regeln.
Eine vollkommen ungeregelte digitale Wirtschaft würde Machtkonzentrationen nicht automatisch verhindern.
Aber Regulierung muss unterscheiden zwischen:
dem einzelnen Menschen, der seine Fähigkeiten mit digitalen Werkzeugen vervielfacht,
einem kleinen Unternehmen,
einem Netzwerkprojekt
und einem globalen Konzern, der wesentliche Infrastruktur kontrolliert.
Wenn wir alle mit nahezu denselben bürokratischen Anforderungen belasten, begrenzen wir möglicherweise nicht die Mächtigen.
Wir begrenzen diejenigen, die gerade versuchen, selbst wirksam zu werden.
Dann läuft etwas schief.
Denn ursprünglich wollten wir verhindern, dass einzelne Menschen aufgrund ihres Eigentums übermäßig viel Macht über andere bekommen.
Wenn wir als Wissensgesellschaft erfolgreich sein möchten, brauchen wir aber möglichst viele Menschen, die denken, lernen und kreativ sind und ihre Begabungen und Leidenschaften entfalten können.
Denn dann sind sie mächtig und können etwas bewirken. Je mehr Menschen mächtig sind, desto besser verteilt sich die Macht unter den Vielen, was für eine Gesellschaft, die sich selbst organisieren will, existenziell ist.
Vielleicht entstehen deshalb unsere Dauerkrisen nicht nur durch falsche Entscheidungen
Vielleicht steckt dahinter ein tieferes Problem.
Unsere wirtschaftliche und gesellschaftliche Realität verändert sich schneller als viele unserer Institutionen.
Steuerrecht.
Sozialsysteme.
Bildung.
Arbeitsrecht.
Verwaltung.
Politische Entscheidungsprozesse.
Viele dieser Strukturen entstanden unter den Bedingungen einer Industriegesellschaft.
Doch ein wachsender Teil unserer Realität funktioniert bereits nach anderen Prinzipien:
Kreativität und Begeisterungsfähigkeit statt geplante und disziplinierte Pflichtarbeit.
Projekte statt lebenslanger Arbeitsplatz.
Kooperation über Entfernungen hinweg.
KI-Unterstützung statt starrer Arbeitsteilung.
Selbstorganisation statt ausschließlich hierarchischer Steuerung.
Wenn wir versuchen, diese neue Welt vollständig mit den Werkzeugen der Alten zu organisieren, entstehen zwangsläufig Spannungen.
Wenn Staaten versuchen, Märkte mit Instrumenten des industriellen Zeitalters zu steuern (Bürokratie, starre Lizenzen, Überregulierung von Solo-Selbstständigen), treffen sie oft die Falschen!
- Sie begrenzen nicht die Macht von globalen Großkonzernen, sondern lahmen die Anpassungsfähigkeit, Unabhängigkeit und Innovationskraft des Einzelnen.
- Wer durch eigene Fähigkeiten und intelligente Werkzeuge (wie KI) skaliert, wird durch bürokratische Hürden oft schneller gebremst als durch den freien Wettbewerb.
Aber Vorsicht: Selbstorganisation löst das Machtproblem nicht automatisch
Hier müssen wir uns selbst kritisch hinterfragen.
Es wäre zu einfach zu sagen:
„Wir schaffen Hierarchien ab und organisieren alles über Netzwerke.“
Denn auch Netzwerke entwickeln Machtstrukturen.
Menschen besitzen unterschiedlich viel Wissen.
Unterschiedlich viele Kontakte.
Unterschiedliche Reichweite.
Unterschiedliche Fähigkeiten.
Und auch in einer selbstorganisierten Gemeinschaft können einzelne Menschen großen Einfluss gewinnen.
Deshalb bedeutet gerechte Machtverteilung für mich nicht, dass jeder exakt gleich viel Macht besitzen muss.
Das wäre weder realistisch noch unbedingt sinnvoll.
Wer besondere Fähigkeiten besitzt und Verantwortung übernimmt, wird in bestimmten Situationen mehr Einfluss haben.
Die entscheidende Frage lautet vielmehr:
Ist Macht dauerhaft an Personen und Positionen gebunden – oder an Aufgaben, Kompetenz, Vertrauen und Verantwortung?
Ein Mensch kann bei einem Energieprojekt eine führende Rolle übernehmen, weil er sich hervorragend mit Energietechnik auskennt.
Bei einer Bildungsfrage entscheidet vielleicht jemand anderes maßgeblich mit.
Bei einem medizinischen Problem wiederum ein anderer.
Macht würde dadurch situativer und verteilter.
Nicht:
Ich bin oben – deshalb entscheide ich.
Sondern:
Ich habe für diese Aufgabe Kompetenz und übernehme dafür Verantwortung.
Das ist ein grundlegender Unterschied.
Freiheit funktioniert nur mit Verantwortung
Eine solche Gesellschaft setzt allerdings etwas voraus, das sich nicht programmieren lässt.
Reife.
Wenn Menschen mehr Entscheidungsfreiheit bekommen, müssen sie auch mehr Verantwortung übernehmen.
Wenn Entscheidungen dezentral getroffen werden, kann nicht bei jedem Problem nach einer höheren Instanz gerufen werden.
Wenn Menschen selbst organisieren dürfen, müssen sie lernen:
Informationen zu beurteilen.
Konflikte auszutragen.
Kompromisse zu finden.
Verantwortung für Fehler zu übernehmen.
Mit anderen zusammenzuarbeiten.
Langfristige Folgen mit zu denken.
Nicht nur den eigenen Vorteil zu verfolgen.
Deshalb gilt für mich:
Wir Menschen sind so weit frei, wie wir reif sind.
Eine selbstorganisierte Gesellschaft braucht nicht weniger Verantwortung.
Sie braucht mehr Verantwortung beim Einzelnen.
Genau dafür brauchen wir Lebensunternehmer
Der Begriff Lebensunternehmer bedeutet für mich deshalb viel mehr als Selbstständigkeit oder Unternehmertum.
Ein Lebensunternehmer ist nicht einfach jemand, der eine Firma besitzt.
Er übernimmt Verantwortung für sein eigenes Leben.
Er entwickelt seine Fähigkeiten.
Er denkt selbst.
Er hinterfragt.
Er entscheidet.
Er lernt.
Er arbeitet mit anderen konstruktiv zusammen, wenn es Sinn macht.
Und er fragt nicht nur:
„Was bekomme ich?“
Sondern auch:
„Was kann ich beitragen?“
Eine Gesellschaft aus solchen Menschen benötigt möglicherweise weniger zentrale Steuerung.
Nicht weil es keine gemeinsamen Regeln mehr gibt.
Sondern weil immer mehr Verantwortung dort übernommen wird, wo die Probleme tatsächlich entstehen.
In Familien.
Gemeinden.
Unternehmen.
Genossenschaften.
Initiativen.
Projektgruppen.
Netzwerken.
Communities.
Und erst dort, wo diese Ebenen ein Problem nicht sinnvoll lösen können, braucht es übergeordnete Strukturen.
Meine Vision: Macht verteilen, statt sie nur anders zu konzentrieren
Ich wünsche mir deshalb weder eine Gesellschaft, in der wenige Geld- und Machtbesitzer über die wirtschaftlichen Möglichkeiten vieler Menschen bestimmen.
Noch eine Gesellschaft, in der eine mächtige zentrale Institution (der Staat) diese Macht übernimmt.
Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der Macht möglichst breit verteilt wird.
Durch:
echte Chancengleichheit
Begegnung auf Augenhöhe (unabhängig vom Titel, der Position, usw.)
freien Zugang zu Wissen,
gute Bildung,
Existenzsicherheit,
offene digitale Infrastruktur,
faire Wettbewerbsbedingungen,
Genossenschaften und Beteiligungsmodelle,
dezentrale Entscheidungsstrukturen,
direkte Mitbestimmung,
KI als Werkzeug für viele statt Machtinstrument weniger
und vor allem:
selbst wirksame Menschen.
Denn Macht entsteht nicht nur dadurch, dass jemand etwas besitzt.
Macht entsteht auch dadurch, dass jemand seine Ideen frei umsetzen kann.
Vielleicht müssen wir Macht deshalb vollkommen neu definieren
In der Industriegesellschaft lautete eine entscheidende Machtfrage:
Wem gehören die Produktionsmittel?
Diese Frage bleibt wichtig.
Aber in der Wissensgesellschaft kommen weitere hinzu:
Wer kann Wissen nutzen?
Wer besitzt Zugang zu Informationen?
Wer kann KI einsetzen?
Wer kontrolliert die digitale Infrastruktur?
Wer kann andere Menschen erreichen?
Wer darf Entscheidungen mitgestalten?
Und schließlich:
Wer besitzt die Fähigkeiten und die Freiheit, sein eigenes Leben und sein Umfeld aktiv mitzugestalten?
Vielleicht ist genau das die Macht, die wir in Zukunft gerechter verteilen müssen.
Nicht indem wir allen Menschen exakt dasselbe geben.
Sondern indem wir möglichst vielen Menschen ermöglichen, selbst wirksam zu werden.
Fazit: Von der Machtgleichheit zur Machtverteilung
Denn, nicht Machtgleichheit ist das eigentliche Ziel, sondern eine gerechte Machtverteilung.
Macht sollte möglichst wenig dauerhaft an Positionen gebunden sein und stärker aus Kompetenz, Vertrauen und übernommener Verantwortung entstehen.
Karl Marx stellte eine wichtige Frage:
Wie verhindern wir, dass der Besitz von Produktionsmitteln dazu führt, dass wenige Menschen dauerhaft Macht über viele andere besitzen?
Diese Frage ist nicht verschwunden.
Aber unsere möglichen Antworten haben sich verändert.
Internet, digitale Netzwerke und KI ermöglichen heute Formen der Zusammenarbeit und Selbstorganisation, die zu Marx‘ Zeiten kaum vorstellbar waren.
Gleichzeitig entstehen neue Machtkonzentrationen bei Plattformen, Daten, Algorithmen, Rechenleistung und KI-Infrastruktur.
Deshalb reicht weder:
„Der Markt wird es schon regeln.“
noch:
„Der Staat muss es regeln.“
Wir brauchen eine dritte Ebene:
Menschen, die immer mehr selbst regeln können.
Menschen, die sich zusammenschließen.
Netzwerke bilden.
Genossenschaften gründen.
Wissen teilen.
KI nutzen.
Verantwortung übernehmen.
Und gemeinsam Lösungen entwickeln.
Dann könnte aus
zentraler Steuerung
immer stärker
dezentrale Selbstorganisation
werden.
Aus
abhängigen Lohnarbeitern
könnten zunehmend
selbstwirksame Lebensunternehmer
werden.
Und aus der alten Frage
„Wer herrscht über wen?“
könnte irgendwann eine vollkommen andere Frage werden:
„Wie organisieren wir gemeinsam die Macht, die wir brauchen, um unsere Probleme zu lösen?“
Das wäre für mich keine klassenlose Gesellschaft im klassischen Sinne.
Es wäre eine von Lebensunternehmern selbst organisierte Gesellschaft.
Eine Gesellschaft, in der Freiheit nicht dadurch entsteht, dass niemand mehr Macht besitzt.
Sondern dadurch, dass Macht, Wissen, Möglichkeiten und Verantwortung auf möglichst viele Menschen verteilt sind. Dass Zwang und Abhängigkeiten auf ein Minimum reduziert sind.
Denn vielleicht ist eine gerechte Gesellschaft nicht die Gesellschaft, in der alle gleich mächtig sind.
Sondern eine in der Macht über andere schlicht überflüssig wird. Durch Selbstbestimmung, dezentrale Strukturen und die Freiheit, „Nein“ zu sagen.
Erkennbar beispielsweise daran:
- wie gut du dein Leben, nach deinen ganz eigenen Vorstellungen gestalten kannst
- wie frei du dich als Kind entwickeln kannst
- welche Möglichkeiten du hast, um deine Begabungen und Fähigkeiten zu entwickeln
- wie gut du deine ganz eigenen Lebensziele, Werte und Leidenschaften leben kannst
- ob du als Mensch dazugehörst oder nur wenn du im Sinne der anderen funktionierst und bestimmte Erwartungen erfüllst
- wie gut du dich mit anderen in entsprechenden Projekten und Initiativen organisieren kannst, um Dinge zu schaffen, die du alleine nicht schaffen kannst
- wie gut dich andere, bei der Umsetzung deiner Ideen und Visionen unterstützen
- wie viel uns von den erarbeiteten Früchten bleiben, die wir dann zum Teil wieder wirksam investieren können (Stichwort: Steuern und Sozialabgaben)
- welche Möglichkeiten wir haben, um uns an den für uns wichtigen Entscheidungen zu beteiligen
- wie gut die Fähigkeiten, Erfahrungen und Erkenntnisse jedes Einzelnen zum Wohle aller genutzt werden
🧭 Ich hoffe, ich konnte mit diesem Artikel Folgendes bei dir bewirken:
dass du erkennst, warum Eigentum an Produktionsmitteln immer auch eine Frage gesellschaftlicher Macht war.
dass du verstehst, warum die historische Forderung nach einer Begrenzung dieser Macht nachvollziehbar war.
dass du gleichzeitig hinterfragst, ob zentrale Macht wirklich die beste Möglichkeit ist, andere Machtkonzentrationen zu verhindern.
dass du erkennst, wie grundlegend Internet, Wissensarbeit und KI unsere Produktionsmittel verändern.
dass du verstehst, warum Wissen, Fähigkeiten, Kreativität und Engagement heute immer wichtiger werden.
dass du die enorme Chance siehst, dass einzelne Menschen durch KI wesentlich selbstwirksamer werden können.
dass du aber auch die neue Gefahr erkennst: Macht kann sich bei den Eigentümern von Plattformen, Daten, Algorithmen, Rechenzentren und KI-Infrastruktur konzentrieren.
dass du deshalb weder ausschließlich auf „der Markt regelt das“ noch auf „der Staat regelt das“ vertraust.
dass du eine dritte Möglichkeit erkennst:
Menschen, die immer mehr selbst regeln und gemeinsam organisieren können.
dass du verstehst, warum eine solche Gesellschaft nicht weniger Verantwortung beim Einzelnen braucht, sondern mehr.
💬 Was denkst du darüber?
Schreib mir gerne deine Gedanken oder Fragen in den Live-Chat oder in die Community.
Wie können wir Macht so organisieren, dass möglichst viele Menschen selbstwirksam werden – und möglichst wenige Menschen dauerhaft Macht über andere ausüben müssen?
Über welche Dinge in deinem Leben entscheiden heute andere, obwohl du sie eigentlich selbst oder gemeinsam mit den Betroffenen entscheiden könntest?
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- Sollte jemand mehr Entscheidungsmacht bekommen, wenn er mehr Kompetenz und Verantwortung übernimmt?
- Wie verhindern wir, dass in selbst organisierten Netzwerken neue informelle Machteliten entstehen?
- Welche Entscheidungen sollten lokal getroffen werden – und welche brauchen Staat oder übergeordnete Institutionen?
- Welche Fähigkeiten brauchen Menschen, damit Selbstorganisation funktioniert?
- Was könnten wir in unserer eigenen Community heute schon stärker selbst organisieren?
Die Abschlussfrage:
Wie viel Regierung brauchen Menschen noch, wenn sie immer besser lernen, ihre gemeinsamen Angelegenheiten selbst zu organisieren?
Dieser Artikel wurde mit Hilfe von chatGPT erstellt und enthält viele eigene Erfahrungen und Erkenntnisse von mir.


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